Meine Frau über mich


Wenn Sie morgens mit Ihrem Hund spazieren gehen und einen Mann bäuchlings am Wegesrand liegen sehen, und auf dem Rückweg Ihres Spaziergangs der Mann immer noch in unveränderter Position an der gleichen Stelle liegt, wundern Sie sich vielleicht. Wenn Sie denselben Mann Stunden später auf dem Weg zum Supermarkt immer noch an der gleichen Stelle in der gleichen Position liegen sehen, wird Ihnen die Sache vielleicht langsam suspekt. Und wenn Sie Ihren Hund abends nochmals Gassi führen und der Mann immer noch unverändert an der gleichen Stelle liegt, überlegen Sie vielleicht langsam, die Polizei oder einen Rettungswagen zu rufen.
Das ist nicht notwendig: Es handelt sich dabei nur um meinen Mann, der von der Verhaltensweise irgendeines mehr oder weniger kuriosen Insekts in den Bann gezogen wurde und nun dabei ist, alle seine Eindrücke zu fotografieren. Würden Sie meinen Mann darauf ansprechen, ob er nicht irgendwann hungrig, durstig, oder ob es ihm nicht zu heiß wird oder sein Rücken schmerzt, würde er mit den Achseln zucken und sagen: „Gute Fotos macht man nicht im Vorbeigehen“.


Warum macht er das?

Schon im jugendlichen Alter war mein Mann ein begeisterter Naturbeobachter und hatte das Ziel, seine Erlebnisse fotografisch zu dokumentieren. Schon damals war ihm keine fotografische Hürde zu hoch. Durch eigene Versuche und Gespräche mit Experten bewältigte er im Laufe der Jahre zahlreiche technische Herausforderungen und optimierte seine Ausrüstung und seinen Stil – immer getrieben durch die vielen Entdeckungen und seine intensive Verbundenheit zur Natur. Vor allem raffinierte Verhaltensweisen von Tieren, ihre Wechselbeziehungen untereinander und mit ihrer Umwelt haben es ihm angetan. Natürlich bleibt ihm da auch der drastische Rückgang zahlreicher Arten und Lebensräume nicht verborgen. Dass er und seine „Fotoobjekte“ meistens viele Stunden, Tage oder Wochen miteinander verbringen, schweißt zusammen, und der Verlust vieler „tierischer“ Mitbewohner wird für ihn wohl fühlbarer sein als für jemanden, der von Schlagwörtern wie Artensterben und Rückgang der biologischen Vielfalt „nur“ abstrakt in der Zeitung liest.

Doch nicht nur die Arten und Lebensräume sterben aus, sondern auch die Menschen, die sich mit ihnen beschäftigen. Klassische Biologen, darunter vor allem die Artenkenner, werden immer weniger – und damit auch die Personen, mit denen mein Mann als Naturfotograf einen intensiven biologischen Austausch pflegen kann.
Naturfotograf war mein Mann schon immer, aber bevor er dies zum Hauptberuf machte, studierte er Forstwirtschaft und leitete knapp 20 Jahre ein Forstrevier. Seine Wege führten ihn für jeweils mehrere Jahre zu verschiedenen Orten Deutschlands: in die Eifel, ins Wendland (Niedersachsen), nach München und nach Coburg. Seit dem Jahr 2012 lebt er in Würzburg.

Die Erfahrungen, die er im Laufe der Jahre biologisch, fotografisch und gesellschaftspolitisch gesammelt hat, motivierten ihn dazu, die Naturfotografie heute hauptberuflich auszuüben. Mit der Wirkung seiner Fotos und Bildserien über unsere heimischen Tiere, vor allem die wenig bekannten Insekten, möchte er möglichst vielen Menschen die Faszination unserer Mitbewohner wieder näher bringen. Er ist sich sicher, dass bei den Menschen der Wille zum Erhalt der eigenen Umwelt vor allem aus dem Gefühl der Verbundenheit zu ihr kommt. Deshalb stellt er auf dieser Website seine Bildreportagen kostenlos zur Einsicht ein und bietet verschiedene Multivisions-Vorträge an. „Ich will zeigen, wie Biodiversität funktioniert – und vor allem, wie faszinierend sie ist“, ... - sagt mein Mann.


Wie macht er das?

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt (Biodiversität). Hierzu untersucht und fotografiert er insbesondere Wechselwirkungen zwischen Tieren – vor allem Insekten – und ihrer Umwelt. Er erstellt umfassende Verhaltensportraits verschiedener Tierarten und setzt sie in Bezug zu ihrer Umwelt und ihren Lebensbedingungen. Hierbei nutzt er nahezu alle professionellen Möglichkeiten der modernen Fotografie, um die häufig unscheinbaren oder verborgenen Schätze biologischer Vielfalt zu zeigen. „Fotos und Geschichten müssen auch emotionell ansprechen“, ... - sagt mein Mann.


Was macht er mit den Fotos?

Die Fotos werden im Internet im Naturbildarchiv-Günter in einer Datenbank präsentiert und können von Interessenten (Verlagen etc.) erworben werden. Darüber hinaus gibt es eine Rubrik „Bildreportagen“, auf der mein Mann seine Reportagen als Geschichten kostenlos zur Einsicht präsentiert . Manche dieser Reportagen werden in Zeitschriften wie der „LandLust“, GEO, GEOlino oder „natur“ veröffentlicht.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt bei der Durchführung von Multivisions-Vorträgen zu Natur-Themen. Hierbei erzählt mein Mann dann liebend gerne Geschichten von den Insekten als seine Duz-Freunde. "Wir kennen uns nach einigen Tagen mit Vornamen und lieben und necken uns", ... - sagt mein Mann.

Dann ist mein Mann noch - zusammen mit Valentin Gutekunst - Betreiber von Makrotreff, ein von den Vereinten Nationen ausgezeichneter Treffpunkt für Makrofotografen, sowie Herausgeber der Fotozeitschrift Makrofoto.

Seit vielen Jahren gibt er sein umfangreiches Wissen in Seminaren und Workshops weiter. Hierbei legt er besonderen Wert auf die Aussagedichte der Fotos. 


Wie halte ich das mit ihm aus?

Dreimal dürfen Sie raten! Ich gehöre selbst der aussterbenden Spezies der klassischen Biologen an, bin natürlich nicht ganz so verrückt wie mein Mann, interessiere mich aber für die gleichen Themen und bin glücklich, dass wir uns so gut ergänzen :-).

Karin Günter

 

Ich über mich


Ich stimme der Beschreibung meiner Frau zu 99% zu, das restliche 1% bleibt mein Geheimnis :-).

Roland Günter