Dinetus pictus – Eine von vielen Grabwespen-Arten

In Deutschland kommen etwa 250 Grabwespenarten vor. Sie gehören zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) und spalten sich in viele Gattungen auf, die sich wiederum teilweise in zahlreiche Arten unterteilen. Die Gattung Dinetus jedoch ist in Europa nur mit einer einzigen Art vertreten, der "Sichelwanzen-Grabwespe" oder "Schmuckgrabwespe" Dinetus pictus. Ich habe diese kleine Wespe in ihrem Lebensraum über einen Zeitraum von mehreren Wochen beobachtet und ihr Verhalten fotografisch dokumentiert. Hierbei benannte ich sie in meinen Gedanken ausschließlich mit ihrem Gattungsnamen Dinetus. Insbesondere die äußere Erscheinung des kleinen Wespen-Männchens in Verbindung mit seinem stolzen, teilweise etwas selbstherrlich anmutenden Verhalten erinnerte mich immer wieder an große Persönlichkeiten der römischen Antike, zu deren bedeutungsträchtigen Namen wie Augustus, Brutus oder Titus vom Klangbild her auch sehr gut ein "Dinetus" gepasst hätte.

Kurzum, in dieser Reportage nenne ich Dinetus pictus immer nur kurz Dinetus - und in Ermangelung einer weiteren Dinetus-Art in Europa ist eine Verwechslung ausgeschlossen.

"Wer ist die Schönste im ganzen Land?" - Die Schmuckgrabwespe!

Auf dem Foto links oben ist das etwa 8 Millimeter kleine Dinetus-Weibchen abgebildet. Mit seinen Weiß-, Gelb- und Rottönen ist es im Vergleich zu anderen Grabwespenarten außergewöhnlich bunt gefärbt (Schmuckgrabwespe!).

Geschlechtsdimorphismus

Das Männchen ist mit etwa 6 Millimetern etwas kleiner. Mit seinen grünlich-gelben Augen und dem höheren Gelbanteil vor allem auf seinem Hinterleib und den Beinen unterscheidet es sich äußerlich deutlich vom Weibchen (Geschlechtsdimorphismus).

Dinetus zeigt ein unter den Grabwespen einmaliges Nestbauverhalten. Aber dazu, und zu dem, was es mit dem "Gummifaden-Effekt" auf sich hat, später mehr! Zunächst noch ein paar allgemeinere Einordnungen:

Nektar von verschiedenen Blüten

Dinetus ist eine extrem wärmeliebende Wespe, die in Deutschland nur in entsprechend warmen Klimaräumen vorkommt. Sie liebt heiße, sonnendurchglühte offene Sandflächen, wie sie beispielsweise am Oberrhein oder in Nordbayern vorkommen. Hier nascht sie gerne an verschiedenen hitze- und trockenheitsverträglichen Blütenpflanzen. Die beiden Fotos links und unten zeigen das Männchen beim Blütenbesuch ...

... und beim Putzen auf der Blüte des Berg-Sandglöckchens (Jasione montana).

Männchen auf Gemeiner Schafgarbe (Achillea millefolium).

Weibchen auf Berg-Sandglöckchen (Jasione montana), ...

... Gemeiner Schafgarbe (Achillea millefolium) ...

... und Rainfarn (Tanacetum vulgare).

Nestbau - Graben in Höchstgeschwindigkeit

In den heißesten Wochen des Jahres, Ende Juni/Anfang Juli, erscheint das Dinetus-Weibchen und beginnt bald mit dem Bau des Nestes. Unruhig über den Sandboden laufend, sucht es eine geeignete Stelle, hier und dort scharrend, um die Beschaffenheit des Untergrunds zu prüfen.

Hat es eine geeignete Stelle gefunden, gräbt es zunächst scharrend mit den Vorderbeinen eine Röhre schräg in den Sandboden.

Dabei wird der gelöste Sand unter dem Körper nach hinten herausgeschleudert. 

Auf die gleiche Weise kehrt das Weibchen - rückwärts laufend - den am Nesteingang sich auftürmenden Sand einige Zentimeter weit weg.

Größere Steinchen oder Holzstückchen greift es mit den Kiefernzangen und schleppt es rückwärts gehend vom Nesteingang fort.

Schiebt sich eine Wolke für längere Zeit vor die Sonne, werden die Bewegungen des grabenden Dinetus-Weibchens etwas langsamer. Ab und zu verharrt es kurz, um Strahlungswärme vom Boden aufzunehmen.

Nach etwa zwei Zentimetern Tiefe ändert das Weibchen die Methode seines Sandtransportes. Der losgescharrte Sand wird in der Röhre gesammelt, zwischen der Unterseite des Kopfes und den zusammengelegten Vorderbeinen festgehalten und rückwärts bis zum Nesteingang getragen.

Dort angekommen, öffnet die Wespe sofort die Flügel ...

... und fliegt blitzschnell hoch.




So the picture report continues:
- Fortsetzung Nestbau
- Komplette Fotodokumentation über die einzigartige Sandtransportweise, zu sehen in einer einmaligen Slideshow !
- der "Gummifaden-Effekt"
- Beuteeintrag
- Mimikry des Beutetiers
- Begegnung mit einer parasitierenden Raupenfliege (Tachinidae)
- Nestverschluss
- Revierverhalten des Männchens - mit Slideshow !
- Synchronisierung von Tätigkeiten
- Übernachtung


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