Larve des Ameisenlöwen, Euroleon nostras, sitzt auf Sand

Es gibt ein kleines Insekt, das sicherlich zu den geschicktesten und faszinierendsten Überlebenskünstlern unserer Tierwelt gehört. Es lebt den weitaus größten Teil seines Lebens im Sand warmer Naturräume mit hohen Temperaturen und wenig Wasser - dort, wo andere Tiere verhungern, verdursten oder sogar vertrocknen würden. Hier hat es sich perfekt angepasst.


Die Rede ist vom Ameisenlöwen. Er ist der "König des Sandhaufens". Mit dem Begriff Ameisenlöwe ist die Larve eines wunderschönen, grazilen Tieres gemeint, das als voll entwickeltes Insekt äußerlich einer Libelle ähnelt und dann Ameisenjungfer heißt. Aber wie so oft im Reich der Insekten: Seine Hauptlebenszeit - in der Regel zwei Jahre - verbringt das Tier als Larve, also als Ameisenlöwe. Als Jungfer dagegen ist es nur gut 2 Wochen aktiv.
In Mitteleuropa gibt es 19 verschiedene Ameisenjungfern-Arten. Eine der häufigsten ist die Geflecktflüglige Ameisenjungfer mit dem lateinischen Namen Euroleon nostras. Links im Bild ist die Larve der Geflecktflügligen Ameisenjungfer zu sehen. Schon beim zweiten Aussprechen wird deutlich: Dieser Name ist ein Zungenbrecher! Deshalb nenne ich ab nun den Ameisenlöwen der Geflecktflügligen Ameisenjungfer Euroleon nostras kurz Leo. Leo kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt Löwe - passt also!

In dieser Reportage werden wir eine Menge über Leo erfahren: über sein Leben als Larve, wie er seinen Fangtrichter baut, über seine ausgeklügelte Art zu jagen (Jagdstrategie), wie er seine Haupt-Beutetiere, die Ameisen, frisst und wie er sich schließlich in einer wundersamen Metamorphose in einen grazilen Flugdiamanten verwandelt.

Auf dem Foto links oben sitzt Leo ruhend auf Sand.

Der Lebensraum - Hauptsache SAND!

Leo liebt sandige Böden wie Flusssande oder, wie auf dem Foto rechts, Binnendünen - große Sandhaufen, die als Ablagerungen von Flugsanden nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstanden. Bei  starkem Wind wehten diese teils riesigen Sandhaufen als Wanderdünen übers Land. Heute hat der Mensch nahezu alle wandernden Dünen zum Stillstand gebracht. Gezielte Anpflanzungen, vor allem mit der trockenheitsverträglichen Waldkiefer, halten mit ihren Wurzeln den feinkörnigen Sand fest - mit der fatalen Folge, dass sich die freie Sandfläche nicht mehr selbst durch ständige Windverlagerung erneuern kann. Nun keimen immer mehr Pflanzen im Sand, und nach kurzer Zeit ist die vorher freie Sandfläche vollständig zugewachsen. Diese Entwicklung finden wir heute bei so gut wie allen mitteleuropäischen Binnendünen. Freie Teilflächen gibt es nur noch selten, und die sind dann extrem gefährdet und in der Regel genau so extrem geschützt!

Leo benötigt vegetationsfreie Sandböden. Hier ist er zu finden. Am beliebtesten sind sandige Stellen, die möglichst regengeschützt sind, wie beispielsweise unter dicken, freigewehten Baumwurzeln oder ...  

... unter dem schützenden Moosdach überhängender Hangkanten.
Er ist aber auch an vielen anderen Stellen wie beispielsweise am Fuße von südexponierten Mauern von Burgruinen oder unter dem Dachüberstand von Weinbergshütten zu finden. Hauptsache, der Boden ist feinkörnig, sandig und möglichst trocken!

Larve des Ameisenlöwen, Euroleon nostras, sitzt auf Sand

Die Larve - perfekt ausgestattet für die Jagd!

Obwohl ausgewachsen nur etwa 1 cm groß: Leo sieht zum Fürchten aus! Ein kugeliger, stark beborsteter Körper, helle, ebenso beborstete Beine, ...

Ameisenlöwe, Euroleon nostras, Larve, Kopf, Portrait

... ein seltsam tief sitzender, großer, flacher Kopf - ebenfalls beborstet - , ...

Mächtige Kiefernzangen der Larve des Ameisenlöwen, Euroleon nostras, auf Sand sitzend.

... und zwei riesige Kiefernzangen, natürlich auch beborstet! An deren Innenseiten sitzen jeweils drei große Zähne.

Mächtige Kiefernzangen der Larve des Ameisenlöwen, Euroleon nostras, auf Sand sitzend.

Leo hasst nichts mehr, als frei auf der Sandoberfläche zu sitzen. Sein Ziel ist es, sich möglichst schnell einzugraben. Wird er daran gehindert, aktiviert er schnell seinen Totstellreflex (Katalepsi) - mit dem Ergebnis, dass er sich unter Umständen minuten- oder sogar stundenlang nicht mehr bewegt!

Sich Totstellen funktioniert auch in der Rückenlage. Lässt die Starre nach, wirft sich Leo blitzschnell zurück auf die Bauchseite und ist nun wieder "ganz normal".




Ausblick auf einige weitere Inhalte dieser Bildreportage:
- Das Eingraben
- Der Fangtrichter – eine Meisterleistung!
- Tarnung
- Jagdstrategie des Ameisenlöwen
- Beutefraß/Beuteverdauung/Beutespektrum
- Lebensraum-Anpassung
- Entwicklung des Ameisenlöwen: Larve – Puppe – Imago
- die Ameisenjungfer


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